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Ein Bericht über die ambulante Versorgung alter Menschen
Stell Dir vor, Du wirst alt. Die Dinge des täglichen Lebens werden immer schwieriger. Eigentlich willst Du alles noch selber hinkriegen, aber es klappt einfach nicht.
Die Wohnung 'müllt' langsam zu. Die Klamotten werden alt und schäbig, aber allein einzukaufen traust Du Dich nicht (mehr). Wäsche waschen, kochen, einkaufen, Briefe, Rechnungen - all diesen Kram kannst Du nicht mehr bewältigen. Vieles bleibt liegen, aber Du kennst niemand, der Dir helfen könnte oder den Du darum bitten wolltest. Schon gar nicht die Nichte, mit der Du sowieso fast nichts zu tun hast, weil sie drei Autostunden entfernt wohnt. Und der Nachbar guckt auch immer so komisch. Im Kühlschrank beginnt es zu schimmeln. Und die Wohnung braucht schon lange eine Renovierung - bloß nicht daran denken... Ja, und nun?
Lass mich bloß (nicht) in Ruhe
Stell Dir vor, Du bist Frau M. und hast Glück, weil Dein Nachbar und Deine Cousine mal miteinander reden und bei der Sozialstation anrufen. Und als dann die Sozialarbeiterin an der Tür klingelt und sagt: "Guten Tag, ich habe gehört, Sie könnten Hilfe brauchen", bist du erst mal erschrocken. Ich? Hilfe? Und dann denkst Du: Nein, bloß nicht! Könnt ihr mich nicht alle in Ruhe lassen? Ich hab doch schon Probleme genug!
Mein Name ist Ayyub Najjar, ich bin examinierter Altenpfleger und Diplom-Pflegewirt, Fachrichtung Allgemeine Pflege. Alten Leuten zu helfen ist mein Beruf. Ich arbeite bei dem ambulanten Pflegedienst KONTAKT - Freie Alten- und Krankenpflege e. V. in Frankfurt/Main. Dort bin ich für das Projekt: Hilfe- und Pflegevorbereitung zuständig. Dieses Projekt wird seit 1998 vom Frankfurter Stadtgesundheitsamt unterstützt. Diese finanzielle Unterstützung wird gegenwärtig immer weiter gekürzt und wir müssen befürchten, dass sie demnächst ganz gestrichen wird. Dann müsste Kontakt e.V. das Projekt: Hilfe- und Pflegevorbereitung aufgeben.
Den Auftrag, mich um Frau M. zu kümmern, bekam ich von unserer Pflegedienstleiterin. Sie wurde telefonisch benachrichtigt von einer Sozialarbeiterin des Allgemeinen Sozialdienstes (ASD der Alten- und Behindertenhilfe) des Sozialrathauses Obermain.
Deren Bericht von ihrem Hausbesuch bei Frau M. lautete kurz zusammengefasst so: "Frau M. sei 81 Jahre alt, lebe allein und sei sehr ungepflegt. Sie komme mit der Gestaltung ihres Alltags offenbar nicht mehr zurecht und lebe in einer stark verschmutzten und vermüllten Einzimmerwohnung. Der ASD sei auf Frau M. aufmerksam gemacht worden durch einen Nachbarn - der sich geruchlich belästigt gefühlt habe - und eine Nichte von Frau M., die ihre Tante nach längerer Zeit mal wieder besucht habe."
Über den gesundheitlichen Zustand von Frau M., so informierte uns die Sozialarbeiterin vom ASD, wisse sie nichts. Unklar sei auch, ob Frau M. Medikamente nehmen müsse, und ob sie überhaupt einen Hausarzt habe. Schließlich sei es gar nicht so einfach, mit Frau M. zusammenzutreffen, da sie tagsüber oft außer Haus sei. Soziale Kontakte habe Frau M. aber angeblich nicht, man wisse lediglich, dass sie täglich ins Café W-Punkt gehe, um dort zu frühstücken, so zwischen neun und zehn Uhr.
Da Frau M. angebotene Hilfe ablehne, sagte die Sozialarbeiterin vom ASD, wolle sie fragen, ob vielleicht wir von KONTAKT im Rahmen unseres Projektes: Hilfe- und Pflegevorbereitung versuchen könnten, mit Frau M. Kontakt aufzunehmen, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, um dann weiter zu überlegen, auf welche Weise Frau M. geholfen werden könne.
Kontakt e.V. wolle es gerne versuchen, versicherte unsere Pflegedienstleiterin der Sozialarbeiterin vom ASD. Für die darauffolgende Woche wurde ein Rückruf verabredet, und ich erhielt den Auftrag, mich um Frau M. zu kümmern.
Das Kümmern hatte viele Facetten
Mein erster Kontakt mit Frau M. war telefonisch. Am 28.9. rief ich bei ihr an. Sie wirkte nicht besonders überrascht über meinen Anruf. Freundlich erzählte sie mir, dass sie gerade vorhabe, mit einer Freundin auszugehen, aber am nächsten Tag sei ihr ein Besuch meinerseits recht.
Aktivitäten
Mein nächster Schritt nach diesem Erstbesuch war ein Telefonat mit Frau S., der Nichte von Frau M. Sie erzählte mir, sie habe kürzlich ihre Tante besucht, zum ersten Mal nach sechs Jahren. Es sei ein Schock für sie gewesen. Aß es ihrer Tante so schlecht gehe, habe sie nicht erwartet. Und den Zustand der Wohnung finde sie grauenhaft. Sie habe ihrer Tante angeboten, zu ihr umzuziehen, aber das habe Frau M. abgelehnt. Auch fremde Hilfe, wie zum Beispiel eine Haushaltshilfe, wolle ihre Tante nicht annehmen.
Frau S. sagte, sie habe keine andere Möglichkeit gesehen, als dem Rat von Frau K. vom Sozialdienst zu folgen, und habe eine gesetzliche Betreuung beim Amtsgericht beantragt. Sie mache sich große Sorgen um ihre Tante und wolle, dass diese gut versorgt wird. Nach ihrem Eindruck sei ihre Tante zunehmend desorientierter; sie erinnere sich nicht mehr an Telefonate, und der Zustand ihrer Wohnung spreche auch Bände - einfach desolat. Aber dass sich nun endlich jemand um ihre Tante kümmern wolle, das erleichtere sie: "dann kann Tantchen geholfen werden".
Zwei Tage später. Ich habe mich mit Frau F., der zuständigen Sachbearbeiterin vom Sozialrathaus, telefonisch in Verbindung gesetzt und von meinem Besuch bei Frau M. berichtet.
Telefonat mit Sachbearbeiterin vom Sozialamt: Sachstandbericht über Zustand der Wohnung als Grundlage für wirtschaftliche Hilfe: Die Wohnung von Frau M. besteht aus einem Zimmer mit Bad, kleiner Kochnische und einem kleinen Balkon. Überall liegt Müll herum, und auf dem Tisch stapelt sich ein Berg von Papieren. Ich fand keinen Platz, wo ich meine Jacke hätte ablegen können, und einen annehmbaren Platz zum Hinsetzen gibt es auch nicht.
Frau M.s Wohnzimmer dient ihr zugleich als Schlafzimmer. Sie schläft auf einem sehr alten Schlafsofa, das schmutzig und zerschlissen ist, zerschlissen ist auch die Decke. Der Kleiderschrank ist kaputt und nicht mehr zu gebrauchen. Der Fußboden ist sehr schmutzig, und auch die Wände sind gelb bis schwarz-gelb gefärbt, vermutlich vom Rauchen. Nach Rauch riecht auch die Wäsche. Alles scheint von einem schmierigen Belag überzogen - alle Gegenstände, die Fensterbank, der Tisch, einfach alles.
Die Kochnische ist unbenutzbar. Müll liegt herum, und so weit man noch auf den Fußboden treten kann, ist er klebrig und schmutzig. Das Waschbecken ist voll mit schmutzigem Geschirr, der Hängeschrank ebenso. Auch der Kühlschrank ist verschmutzt und vollgestopft mit verdorbenen und verschimmelten Lebensmitteln, deren Haltbarkeitsdatum zum Teil schon seit einem Jahr abgelaufen ist.
Die vorhandene Waschmaschine ist offensichtlich schon lange nicht mehr benutzt worden. Frau M. sagt, sie lasse ihre Wäsche im Waschsalon waschen. Fazit: Die Wohnung ist reinigungs- und renovierungsbedürftig.
Frau F. stimmte letzterem sogleich zu. Ihre Kollegin, Frau K., habe ihr nach deren Besuch bei Frau M. bereits ähnliches berichtet. Mit meinem Vorschlag, die Wohnung durch ein Dienstleistungsunternehmen, mit dem wir öfter zusammenarbeiten, die Firma "Kluge Dienstleistungen", grundreinigen und renovieren zu lassen, während Frau M. in dieser Zeit eine Besucherwohnung des Franziska-Schervier-Altenpflegeheims beziehen könne, war Frau F. einverstanden. Unser Pflegedienst solle die Kostenübernahme beantragen, sowohl für Grundreinigung und Renovierung der Wohnung, als auch für die Unterbringung von Frau M. während dieser Zeit in der Besucherwohnung des Altenheims. Zusätzlich bat sie um einen Besuchstermin bei Frau M., um sich ein Bild von deren finanzieller Situation anhand der Kontoauszüge machen zu können, falls Frau M. damit einverstanden sei. Wir einigten uns auf einen Termin am 11. November.
Reinigung und Renovierung der Wohnung
Nachdem so die Kostenübernahme im Prinzip geklärt war, nahm ich telefonisch mit Frau Kluge von der Dienstleistungsfirma Kontakt auf, und vereinbarte mit ihr einen Besichtigungstermin in der Wohnung von Frau M., allerdings schon für den 5.November.
Nach diesen organisatorischen Vorklärungen besuchte ich Frau M. erneut am 1. November. Sie war freundlich, wenn auch etwas zurückhaltend. Ich machte ihr den Vorschlag, die Wanne zu säubern, damit sie duschen könnte. Damit war sie einverstanden, und ich reinigte die Wanne einigermaßen. Zum Duschen wollte sich Frau M. danach dennoch nicht überreden lassen. Sie meinte, sie wolle lieber erst bei meinem nächsten Besuch, am kommenden Montag, duschen. Nach langer Überredung war sie immerhin bereit, eine Nagelpflege von mir über sich ergehen zu lassen.
Zweiter Besuch bei Frau M.
Wanne säubern - Verabredung zum Duschen - Nagelpflege
Bei dieser Gelegenheit kam Frau M. wieder auf den Zustand ihrer Wohnung zu sprechen, wie unglücklich sie darüber sei. Als ich ihr eröffnete, dass es eine Möglichkeit gäbe, ihre Wohnung zu renovieren und auch neue Möbel anzuschaffen, stimmte sie überglücklich zu.
Mündliche Vereinbarung mit Frau M. wegen Reinigung und Renovierung
Drei Tage später hatte ich mich mit dem Franziska-Schervier-Altenpflegeheim in Verbindung gesetzt und einen Platz in der Besucherwohnung für Frau M. reservieren können. Mit dieser Nachricht besuchte ich Frau M. Sie freute sich über meinen Besuch, wenn sie auch erneut die Pflege ablehnte. Sie erzählte, dass sie am Morgen bereits einkaufen gegangen sei. Ihre Nichte rief an und erkundigte sich nach ihrer Tante. Sie habe am Wochenende mit ihr telefoniert, und dabei habe sie mit ihr über die Pflege und die Wohnung gesprochen. Dabei habe ihre Tante geklagt, es bereite ihr Schmerzen, wenn sie die Schuhe anhabe. Frau M. zeigte mir ihre Füße. Die Fußnägel waren sehr lang gewachsen; daher kamen die Schmerzen. Ich überzeugte sie von der Notwendigkeit, eine Fußpflegerin heranzuziehen. Als ich Frau M. berichtete, dasss ich für sie einen Platz in der Besucherwohnung des Franziska-Schervier-Altenpflegeheims reserviert hätte unddassß demnächst Frau Kluge käme, um die Renovierung der Wohnung in die Wege zu leiten, freute sich Frau M. riesig und unterschrieb sogleich eine Erklärung,dassß sie mit der Grundreinigung und Renovierung ihrer Wohnung einverstanden sei und für die Dauer der Renovierungsarbeiten in die Besucherwohnung des Franziska-Schervier-Altenpflegeheims einziehen wolle.
Anschließend rief ich die Fußpflegerin an und vereinbarte einen Termin für den nächsten Tag. Am nächsten Tag, nach dem Besuch der Fußpflegerin, hatte Frau M. keine Schmerzen mehr und war infolge dessen sehr zufrieden. Frau Kluge von den "Kluge Dienstleistungen" kam und schaute sich die Wohnung an. Sie erklärte sich bereit, für das Sozialamt einen Kostenvoranschlag zu machen, und meinte, sie könne am 18. des Monats mit der Arbeit beginnen. Daraufhin vereinbarte ich vorsorglich schon einen Termin mit dem Fahrer unseres Altentaxis für die Fahrt ins Altenheim.
Firma Kluge bei Frau M. - Fahrt ins Altenheim organisieren. Heute, den 11. November, war der Termin mit Frau F. vom Sozialrathaus Obermain bei Frau M. Der Sozialarbeiterin ging es vor allem darum, sich einen Überblick zu verschaffen über die finanzielle Situation von Frau M. sowie die Wohnsituation. Mit Einverständnis von Frau M. nahm sie einen Kontoauszug mit zum Kopieren. Betreffs der Wohnungseinrichtung kamen wir überein, dass Frau M. folgende Einrichtungsgegenstände benötigt: ein Schlafsofa, einen Kleiderschrank, eine Mikrowelle und einen Wasserkocher zum Essen-zubereiten, eine Stehlampe, einen Sessel und darüber hinaus eine neue Bettdecke, ein Kopfkissen, neue Bettwäsche, Handtücher und Geschirr. Für diese Einrichtungsgegenstände sollen wir eine Kostenübernahme beantragen.
Frau M. war etwas außer Fassung, weil sie ihre Handtasche samt Ausweis und ec-Karte verloren habe. Das abgehobene Geld, 1.500 Euro, befand sich in der Wohnung. Die Handtasche mit der ec-Karte fanden wir nicht, obwohl Frau K. und ich in der ganzen Wohnung danach suchten. Wir haben die Bank angerufen und gefragt, ob Frau M. ihre Geldtasche dort vergessen habe, aber dort wusste man von nichts.
Ich habe mich dann auf die Suche gemacht nach der Geldbörse, überall, wo Frau M. an diesem Morgen gewesen war: im Café W., im Penny Markt, im Eissalon, im Waschsalon und bei den verschiedenen Kiosken, bei denen Frau M. hin und wieder einkauft: Fehlanzeige. Die Suche blieb erfolglos. Vorsorglich rief ich bei der Bank an und ließ die ec-Karte sperren. Frau M. wirkte sehr bedrückt und zermarterte sich das Gehirn, wo sie die Tasche sonst noch verloren haben könnte. Sie nahm sich vor, weiter in ihrer Wohnung nach dieser zu suchen.
Am Tag danach schlief Frau M. noch, als ich zu ihr kam. Sie hatte trotz verzweifelten Suchens ihre Handtasche nicht gefunden. Zur Polizei zu gehen, um den Verlust ihrer Tasche zu melden, wollte sie aber auch nicht. Wieder klagte sie, dass sie sehr unglücklich sei über den Zustand ihrer Wohnung.
Weiterer Besuch bei Frau M. - drei Tage später. Ich treffe Frau M. nicht zu Hause an, wohl aber im Holzhausenpark. Sie erzählte, sie sei in der Stadt gewesen, habe sich eine neue Geldtasche und frische Blumen gekauft. An diesem Tag ist Frau M. bereit, sich beim Duschen helfen zu lassen. Da es im Bad kein Wasser gab, musste ich welches aus der Küche holen. Frau M. trug sehr schmutzige Unterwäsche, und in der gesamten Wohnung konnte ich keine saubere Unterwäsche finden. Frau M. fühlte sich nach dem Duschen ausgesprochen wohl.
Da keine Getränke mehr in der Wohnung waren, ging ich für Frau M. einkaufen. Mit mir zur Polizei gehen, um Anzeige wegen des Verlustes ihrer Handtasche zu erstatten, wollte sie nicht. Sie gab mir 50 Euro, für die ich neue Unterwäsche kaufen sollte. Gleich am späten Nachmittag ging ich zu Woolworth und besorgte ihr Unterwäsche, Socken und ein neues Nachthemd.
Wieder drei Tage später. Heute ist der 18.11., der Tag, an dem Frau M. in die Besucherwohnung des Altenheims ziehen soll. Frau M. war sehr nervös, als ich zu ihr kam. Mehrmals fragte sie nach, wo es denn hingehe, und wie lange sie denn nun dort bleiben werde. Ich habe ihr alles noch einmal genau erklärt; das beruhigte sie schließlich. Um ihren Umzug vorzubereiten, ließ Frau M. Körperpflege zu, und dann packten wir gemeinsam ihren Koffer. Wenig später kam schon der Taxifahrer, und wir fuhren zusammen zum Franziska-Schervier-Altenpflegeheim. Der Empfang dort war richtig herzlich. Die Schwestern zeigten uns die Besucherwohnung, den Esssaal und auch den Garten des Altenheims.
Obwohl Frau M. die Besucherwohnung und überhaupt das Altenheim gut gefielen, fühlte sie sich zunächst etwas fremd. Andererseits zeigte sie Verständnis dafür, dass ihre Wohnung nun endlich renoviert werden muss. Sie tröstete sich damit, dass es ja nur um fünf Tage gehe, das könne man schon aushalten, und danach könne sie ja wieder nach Hause. Ich versprach ihr, dass meine Kollegen und ich sie täglich besuchen würden. Das freute sie sehr, und sie rückte schließlich damit heraus, dass sie insgeheim darauf gehofft hätte.Gemeinsam packten wir ihren Koffer aus und machten noch einen Spaziergang im Garten des Altenheims, bevor ich sie verließ.
Am 19.11., dem nächsten Tag, fühlte sich Frau M. viel besser und freute sich über meinen Besuch. Die Schwestern berichteten, dass sie tüchtig gegessen und getrunken habe. Ich machte Frau M. den Vorschlag, mit ihr in der Stadt spazieren zu gehen, um neue Schuhe einzukaufen. Darauf freute sie sich, und sie ließ sich zu diesem Zweck beim Duschen und Kleiderwechseln helfen. Danach gingen wir in die Stadt, kauften zusammen neue Schuhe, tranken Kaffee und unterhielten uns. Frau M. gefielen ihre neuen Schuhe ausgezeichnet, und voll Vorfreude überlegte sie, wie es wohl aussehen werde, wenn ihre Wohnung fertig sei. Beim Abschied bedankte sie sich für den schönen Spaziergang und sagte, sie warte sehnsüchtig auf meinen morgigen Besuch.
Als ich am 20.11. zu Frau M. ins Altenheim kam, war sie gerade beim Essen. Sie sagte, sie sei ausgesprochen zufrieden. Ich hatte ihr einen Möbelkatalog mitgebracht, und wir suchten nach dem Essen zusammen darin ein Schlafsofa aus und einen Kleiderschrank. Ich versprach ihr, morgen für sie diese Möbel zu kaufen. Statt meiner kommt dann meine Kollegin L. sie besuchen. Frau M. wollte wissen, wie die Arbeit in ihrer Wohnung vorankomme, und ob sie wirklich am kommenden Freitag wieder nach Hause könne. Als ich ihr dies bestätigte, war sie begeistert. Danach machten wir noch einen langen Spaziergang am Mainufer entlang.
Von Frau F. vom Sozialrathaus haben wir die Zusage für den Kauf der Einrichtungsgegenstände bekommen. Es dürfen 750,- Euro ausgegeben werden. Heute, am 21.11., fuhren ein Kollege und ich mit dem Bus des Vereins nach Eschborn, um die Möbel für Frau M. zu kaufen. Danach fuhren wir in die Wohnung und brachten die Möbel nach oben. Frau Kluge war noch bei der Arbeit, sagte aber, dass sie bald fertig sei, und fragte, ob sie die schmutzige Wäsche von Frau M. in den Waschsalon bringen solle. Sie versprach auch, die neuen Möbel aufzubauen und einen Termin für den Sperrmüll auszumachen. Ich habe daraufhin ein Taxi für die Rückfahrt von Frau M. bestellt.
Absprachen mit Fa. Kluge wg. Reinigung, Sperrmüll etc.
Meine Arbeitskollegin, Frau L., berichtete von ihrem Besuch bei Frau M., dass diese sie herzlich begrüßt habe. Sie habe zwar Körperpflege abgelehnt und gesagt, das wolle sie lieber erst in der neuen Wohnung machen. Sie freue sich aber schon ganz toll auf die neuen Möbel.
Am 22.11., dem Tag der Rückkehr von Frau M. in ihre neu renovierte Wohnung, war sie richtig froh, als ich zu ihr kam. Endlich, sagte sie, kann ich nach Hause. Zusammen packten wir ihren Koffer, nahmen Abschied von den Schwestern im Altenheim und fuhren in die Wohnung von Frau M.
Frau M. wollte ihren Augen nicht trauen, so überwältigt war sie und überglücklich. Sie umarmte mich mehrmals und bedankte sich sehr. Die ganze Wohnung gefiel ihr, und erst recht die neuen Möbel. Zusammen haben wir ihren Koffer ausgepackt, und dann sind wir zum Penny-Markt gegangen, zum Einkaufen.
Als wir zurückkamen, rief die Nichte von Frau M. an. Ich berichtete, dass ihre Tante wieder zu Hause und die Wohnungsrenovierung beendet sei. Das freute Frau S. sehr, und sie bedankte sich für die - wörtlich - "sehr tolle Arbeit". Sie fragte, wie ihre Tante weiter versorgt werde, wenn ich meine Aufgabe beendet hätte. Als ich ihr erzählte, dass ihre Tante in Zukunft weiter vom Pflegedienst betreut werde, war sie sehr beruhigt. Jetzt habe sie das Gefühl, dass ihre Tante in guten Händen sei, und sie sich keine Sorgen mehr um sie zu machen brauche.
Drei Tage später rief ich bei Frau F. im Sozialrathaus Obermain an und berichtete ihr, dass Frau M. wieder zu Hause und über den neuen Zustand ihrer Wohnung sehr zufrieden sei. Frau F. bedankte sich herzlich für die gute Arbeit und sagte, sie würde gerne zu einem Hausbesuch zu Frau M. kommen, um sich selbst ein Bild von dem Erfolg des Unternehmens zu machen.
Als ich zu Frau M. kam, war sie richtig gut gelaunt und erzählte aufgeräumt, sie fühle sich in ihrer neuen Wohnung pudelwohl: endlich mal kein Schmutz mehr und auch kein Mief. Eine saubere Wohnung zu haben, sagte sie, sei schon etwas Tolles. Ich schlug ihr vor, Essen auf Rädern zu bestellen, Kontakt mit einem Arzt aufzunehmen, neue Wäsche zu kaufen; und eine neue Versicherungskarte brauche sie auch, und eine neue ec-Karte sollten wir gleich ebenfalls bestellen. Frau M. ließ sich das Ganze durch den Kopf gehen und stimmte schließlich zu.
Ich bestellte ihr beim Roten Kreuz Essen auf Rädern und vereinbarte einen Termin bei Frau Dr. L. für den 5.12. Frau M. fand es schade, als ich ihr erzählte, dass ich von nun an nicht mehr regelmäßig zu ihr kommen würde. Sie akzeptierte jedoch, dass meine Kollegen sie statt dessen täglich besuchen werden, um ihr bei der Körperpflege zu helfen und im Haushalt.
Den Verlust ihrer Handtasche bei der Polizei zu melden, lehnte Frau M. indessen erneut ab. Wegen des Bades nahm ich Kontakt zu dem Hausmeister auf, der einen Handwerker vorbeischicken will.
Am folgenden Tag, dem 26.11., erfolgte die Einarbeitung eines Arbeitskollegen bei Frau M. Ich selbst kam erst zwei Tage später, am 28.11., wieder zu Besuch zu Frau M. Sie freute sich sehr. Wir fuhren gemeinsam in die Stadt und bestellten bei der Hypo-Bank eine neue ec-Karte. Sie nutzte die Gelegenheit, um Geld abzuheben. Danach sind wir neue Wäsche, Unterwäsche, Röcke und ähnliches kaufen gegangen und ließen bei einem Schlüsselgeschäft neue Zweitschlüssel für die Wohnung von Frau M. anfertigen. Frau M. war mit der Einführung einer Haushaltskasse einverstanden und gab mir 800,- Euro als Starteinlage.
Am 29.11. rief der Hausmeister an und berichtete, dass bei Frau M. die Rohre im Bad verstopft seien. Er habe bereits die Hausverwaltung verständigt, die zugesagt habe, einen Handwerker vorbeizuschicken.
Ende November endete meine Tätigkeit bei Frau M. Von nun an wurde sie regelmässig von einer meiner Arbeitskolleginnen betreut.
Ayyub Najjar (unter Mitarbeit von Marie-Luise Jung und Heipe Weiß)
